Schneespiele

Lange schien er auszubleiben. Wollte sich erst gar nicht blicken lassen. Hatte dann aber doch ein wenig Mitleid. Schaute vorbei. Sagte Hallo.
Nicht sehr lange. Dafür intensiv.
Und vor allem kalt. Sehr kalt.

Doch so frostig dieser Winter hier oben im Norden auch war. Richtig verschneite Landschaften ließen sich wenige finden. Zumindest direkt vor der Haustür.

Ein paar Zentimeter. Ein Hauch nur.
Zauberhaft. Wie über Wege, Bäume, Blätter gehuscht.
Alles ein klein wenig zugedeckt. Gerade so, dass die Natur immer mal wieder neugierig den Kopf recken konnte. Um zu sehen, ob es vielleicht die Möglichkeit gäbe, ein klein wenig früher als üblich die Farben des Frühlings erstrahlen zu lassen.

Daher kein Blick über unberührte, schneebedeckte Landstriche.
Kein morgendliches Glitzern sanft vor sich hin treibender Schneeflocken.

Dafür ein Winter, der mit fröhlicher Leichtigkeit und kaltem Selbstverständnis verspielt durch die Wochen sprang. Schnee, der nicht oft aber lachend mit dem Wind um die Wette lief. Sich übermütig hin und her warf, bevor er sich zufrieden auf den Blättern niederließ.

Und ein Wald, der sich über den leise vor sich hin treibenden Schnee riesig zu freuen schien und ihm freudig Äste und Blätter entgegenstreckte.

Fotografiert mit 300m, f4 und 1/40s.

Hoffnungsschimmer

Eisberge sollten es sein.
Nicht die großen, tiefen, bläulich schimmernden.
Gibt es ja auch nicht so oft. Zumindest nicht an der Elbe.
Ein paar Kleine hätte ich allerdings schon gerne gehabt.
Im Sonnenlicht. Morgens. Kurz nach dem Aufstehen.

Immerhin mußten Eisbrecher durch den Hafen.
Die Alster hatte vollständig aufgegeben.
Ließ sich begehen und befeiern.
Ein paar klitzekleine, fotogene Eisberge sollten sich da doch wohl an der Elbe finden lassen.

Deshalb brach ich seit langer Zeit das erste Mal wieder in diese Richtung auf. Nicht wie in den meisten Fällen in die nördlichen Wälder oder Moore.
Ein wenig Entgegenkommen erwartend. Wenn schon keine überschäumende Freude.
Schließlich war das letzte Mal ein wenig länger her. Im April letzten Jahres, um genau zu sein.

Doch freut sie sich?
Begrüßt sie mich nach langer Zeit zumindest höflich?

Natürlich nicht.
Lieber spielt die Marsch bei Haseldorf unnahbare Diva.
Oder beleidigte Leberwurst.

Nicht freudig weiß in der Sonne glänzend lag der Schnee zu Füßen einer eisbedeckten Elbe. Nein, die paar übriggebliebenen Flecken sahen sich eingekreist vom zugegebenermaßen wenigstens vereisten Matsch.
Natürlich ganz ohne Sonne.

Und die Eisberge?
Nun ja. Ein paar lagen ziemlich gelangweilt an der Elbe rum. Wußten wohl auch nicht so recht, was sie mit diesem Samstag anfangen sollten. Die Ebbe hatte sie über Nacht am Strand liegen gelassen. War einfach abgehauen. Und so warteten sie sehnlichst auf eine Möglichkeit zur Weiterreise. Irgendwie das Gefühl vermittelnd, für Fotos an diesem Morgen nicht zur Verfügung zu stehen.

Vielleicht hätte ich mich öfter dort untern blicken lassen sollen.
Vielleicht hätte ich das vorige Wochenende nicht im Brook sondern besser an der Elbe verbracht.
Vielleicht wäre die Marsch mir dann ein wenig geneigter gewesen.

So aber blieb es bei ein paar spannende Experimente. Für die an diesem Morgen Zeit und Raum zur Verfügung stand.
Wie für die hier zu sehenden Baumkronen, die, ganz verträumt und verzückt, den hellen Streifen am Horizont begrüßen.
In der leider unerfüllten Hoffnung auf ein wenig mehr als nur die paar ermunternden und aufbauenden sonnigen Strahlen.

Fotografiert mit 105mm, f2,8 und 1/500s.

In einer anderen Zeit

Drei Stunden. Mehr nicht.
Und doch völlig ausreichend.
Einmal rauskommen. Abschalten. Weg sein. Neues sehen.

Dabei war es nur ein längerer Spaziergang. Im Wald.
Nichts besonderes. Eigentlich.

Mal abgesehen vom Wald.

Nicht irgendwann.
Denn noch liegt Schnee.
Nicht irgendwo.
Im Nationalpark an der Müritz.
Nicht irgendeiner.
Einer der Alten.

Unglaublich, unbeschreiblich.
Man betritt diesen Wald. Staunt.
Und fühlt.

Erhaben, wissend, gelassen, entspannt.
Hier steht jemand, der schon viel in seinem Leben gesehen hat.
Und es nach wie vor täglich genießt.
Und der milde und nachsichtig lächelt.
Über den im Vergleich geradezu jugendlichen Besucher.

Nach dem Buchenwald Jasmunds und dem auf dem Darß der dritte der alten, als Nationalpark ausgewiesenen Wälder. Und so anders als seine beiden nördlichen Nachbarn.

Nicht Leben am Abgrund.
Nicht Kampf mit einer stürmischen Ostsee.
Nicht Festhalten.

Einfach Sein.
Leben, Vergehen.
Und dazwischen. Zuschauen. Genießen. Im Einklang. Miteinander.

Egal ob die Fichten am Beginn. Die Birken dazwischen. Oder die mittlerweile zum Welterbe zählenden Buchen von Serrahn. Ein Wald zum träumen. Genießen. Schweigen. Sich drin verlieren. Und gestärkt wiederkommen.

Drei Stunden als Geschenk. Ein großes.

Auch wenn ich nicht viel mitgebracht habe. Außer dem Gefühl. Zwei Bilder. Nicht mehr als ein erster, flüchtiger Eindruck. Eine erste Annäherung. Verbunden mit dem Versprechen, diesen Wald näher kennenzulernen.

Fotografiert mit 300mm, f4 und 1/25s.

Winterfrühling

Ganz glauben konnte ich nicht, was da direkt vor meinen Augen stand. Wollte ich nicht.
Obwohl das Thermometer wenig Gründe haben sollte, bewusst die Wahrheit zu dehnen.
Aber 17 Grad unter Null?
Schien nicht wirklich glaubhaft.
Eher Übertrieben. Ziemlich.

Bis ich draußen stand. In der Kälte.
Denn irgendwie sind 17 Grad reichlich kalt.
Spürbar. Mit jeder Faser.

Ok, es gibt Gegenden, in denen es kälter ist. Im Moment. Oder permanent.
Und ich hätte ja keinen Schritt vor die Tür setzen müssen.

Aber jetzt, nachdem der Winter Einzug hielt?
Bei diesem Licht?
Dem farblichen Spektakel am Morgen?

Unmöglich.
Dann lieber ein bisschen frisch. Um die Nase. Und an den Fingern.

Und, ganz ehrlich, gelohnt hat sich der Morgen. Trotz der Kälte. Wegen ihr. Jede Minute.

Die ersten Meter im Brook begleitet vom Knirschen der Schritte im eisigen Schnee.
So laut, dass andere Geräusche sich in der Unhörbarkeit verkrümeln.
So an diesem Morgen überhaupt jemand Geräusche machen wollte.

Mond und Sterne sind schon auf dem Weg ins Bett. Am Horizont schickt sich die Dämmerung an, für ein wenig Farbe zu sorgen.
Und das macht sie gut. Nein, an diesem Morgen wahrlich großartig.

Dunkles Blau, leichtes Orange am Anfang.
Übergehend in eine Mischung eisgrauen Blaus und zartem Rosa.
Und alles vor einer Wiese, auf der sich jeder einzelne Grashalm mit tausenden kleinster Eissplitter geschmückt hat.

Ein großer Anblick.

Könnt ihr mir glauben.

Denn zeigen will ich heute ein anderes Bild.

Schließlich meinte die Sonne es gut.
Versuchte der Kälte mit aller Kraft ein paar Grad abzuringen.
Strahlte lange noch in sanften Farben.
Immer anders.
Immer wunderschön.

Dachte wohl auch der Farn.
Definitiv über die Blütezeit seines Dasein hinaus.
Und eigentlich sogar schon lange über das Ende.
Aber hier. Im sanften Morgenlicht. Bestäubt mit kleinsten Eiskristallen. Und fast vom Schnee versteckt.
Hier streckt er noch einmal seine Blätter gen Himmel.
Erlebt seinen zweiten Frühling.
Mitten im Winter.

Fotografiert mit 300mm, f4 und 1/100s.

Atelier Natur – WiesenSicht 4

Kalt. Eisig. Blau.
Noch gefriert der Atem nicht.
Aber es scheint kurz davor.

Sonnig. Gelb.
Der Kälte trotzend schiebt sich die Sonne Millimeter um Millimeter am Horizont nach oben.
Bringt Licht.
Ein wenig Wärme.
Und die weiße Welt am Boden zum Strahlen.

Weiß.
Zarten Schneeflocken gleich.
Leichtfüßig tanzend zum winterlichen Lied.
Spielen einige Pflanzen verzückt mit der Farbe des Winters.
Und dem Licht.
Und der Kälte.

Malen ein fröhliches, winterlich-sonnig-kaltes Bild.

Fotografiert mit 300mm, f4 und 1/25s.

Winterliche Leichtigkeit

Ruhig, still, friedlich.
Man ist fast versucht zu sagen, weihnachtlich.

Alles einen Gang langsamer. Oder zwei.
Selbst die Natur scheint gelassener, seit sich der Winter entschloss, doch noch vorbeizuschauen.

Die weiße Decke, die sich sanft auf die Melancholie der letzten Wochen legte, wirkt beruhigend.

Oder die Kälte.
Zweistellige Minusgrade sind nicht zu verachten. Und wer auf seinen Energiehaushalt achten muss, tut wohl gut daran nicht allzu hektisch zu werden.

Aber, die Kälte allein ist es nicht.
Irgendwie ist mehr. Irgendwas ist anders.

Als atme die Natur gerade einmal tief durch.
Ein, zwei Zentimeter neben sich stehend und staunend.

Über die Magie des Winters.
Das einzigartige Licht.
So unerwartet, so zauberhaft.

Als stünde die Zeit still.
Und schaue nicht wie noch vor ein paar Wochen ungeduldig auf die Uhr.
Ob nicht vielleicht doch schon Frühling ist.
Oder der Herbst endlich vorbei sein sollte.

Als bewege sich jeder vorsichtiger.
Um den Zauber des Augenblicks nicht zu vertreiben.
Ihn lieber tief in sich aufnehmend und genießend.

Hinterlegt und begleitet von besinnlicher Fröhlichkeit.
Und bestückt mit einer Leichtigkeit, die so wohl nur ein kalter sonniger Wintertag hervorbringt.

Hier fotografiert mit 300mm, f4 und 1/10s.

Winterlich verzaubert

Und plötzlich ist Winter. Überraschend, unerwartet, und ganz einfach großartig.

Wie schön sie waren. Die ersten, leisen, noch ganz zarten Schneeflocken. Die schüchtern, aber doch ihren Fall genießend, zu Boden schwebten.

Eins, zwei, Hunderte. Bis plötzlich eine weiche, hauchdünne, weiße Decke die Tristesse der letzten Wochen zu Bett schickte. Sie zudeckte. In den wohlverdienten und uns alle erlösenden Schlaf sang.

Aus Unruhe wurde Stille. Andächtig, ehrfürchtig. Schwelgend.
Aus Unsicherheit Erleichterung. Nun doch noch einige Zeit ruhen zu können, bevor das fröhliche Treiben des Frühlings beginnt.
Und aus Melancholie verhaltene Freude. Über das streichelnde Weiss, die trockene Kälte, den leise rieselnden Schnee.

Nur wirklich zu glauben schien es an diesem ersten Morgen noch niemand so richtig. Zu plötzlich der Sinneswandel, zu lang das vergebliche Warten. Nicht winterliche Freude beherrschen die ersten Stunden. Eher verhaltenes, ungläubiges Staunen ob der weißen Pracht.

Ein Wald mit angehaltenem Atem.
Als könne er seinen Augen nicht trauen.
Als träume er.
Vom Winter.
Vom weissen Bett.
Wolle nicht aufwachen.
Aus Angst, den zarten Traum zu zerstören.

Eine Sonne, die den Tag schon abgeschrieben hatte, bevor er begann.
Zu müde, sich aus dem Bett zu erheben.
Noch wartend, ob der unerwartete Besuch auch wirklich länger bleibt.
Und es sich lohnt, das Sonntagskleid für ihn aus dem Schrank zu holen.

Und eine Dämmerung, die sich verschlafen die Augen reibt.
Wie alle überrascht von diesem Morgen.
Der so ganz in weiß beginnt.

Und selbst der Bach lauscht ehrfürchtig der winterlichen Stille. Unterbricht sein ausgelassenes Spiel für einen kurzen Moment. Und läßt sich gedankenverloren treiben. Die lang vermisste winterliche Szenerie mit jedem Tropfen in sich aufnehmend und genießend.

Fotografiert mit 20mm, f6,3 und 30s.