Winterfrühling

Ganz glauben konnte ich nicht, was da direkt vor meinen Augen stand. Wollte ich nicht.
Obwohl das Thermometer wenig Gründe haben sollte, bewusst die Wahrheit zu dehnen.
Aber 17 Grad unter Null?
Schien nicht wirklich glaubhaft.
Eher Übertrieben. Ziemlich.

Bis ich draußen stand. In der Kälte.
Denn irgendwie sind 17 Grad reichlich kalt.
Spürbar. Mit jeder Faser.

Ok, es gibt Gegenden, in denen es kälter ist. Im Moment. Oder permanent.
Und ich hätte ja keinen Schritt vor die Tür setzen müssen.

Aber jetzt, nachdem der Winter Einzug hielt?
Bei diesem Licht?
Dem farblichen Spektakel am Morgen?

Unmöglich.
Dann lieber ein bisschen frisch. Um die Nase. Und an den Fingern.

Und, ganz ehrlich, gelohnt hat sich der Morgen. Trotz der Kälte. Wegen ihr. Jede Minute.

Die ersten Meter im Brook begleitet vom Knirschen der Schritte im eisigen Schnee.
So laut, dass andere Geräusche sich in der Unhörbarkeit verkrümeln.
So an diesem Morgen überhaupt jemand Geräusche machen wollte.

Mond und Sterne sind schon auf dem Weg ins Bett. Am Horizont schickt sich die Dämmerung an, für ein wenig Farbe zu sorgen.
Und das macht sie gut. Nein, an diesem Morgen wahrlich großartig.

Dunkles Blau, leichtes Orange am Anfang.
Übergehend in eine Mischung eisgrauen Blaus und zartem Rosa.
Und alles vor einer Wiese, auf der sich jeder einzelne Grashalm mit tausenden kleinster Eissplitter geschmückt hat.

Ein großer Anblick.

Könnt ihr mir glauben.

Denn zeigen will ich heute ein anderes Bild.

Schließlich meinte die Sonne es gut.
Versuchte der Kälte mit aller Kraft ein paar Grad abzuringen.
Strahlte lange noch in sanften Farben.
Immer anders.
Immer wunderschön.

Dachte wohl auch der Farn.
Definitiv über die Blütezeit seines Dasein hinaus.
Und eigentlich sogar schon lange über das Ende.
Aber hier. Im sanften Morgenlicht. Bestäubt mit kleinsten Eiskristallen. Und fast vom Schnee versteckt.
Hier streckt er noch einmal seine Blätter gen Himmel.
Erlebt seinen zweiten Frühling.
Mitten im Winter.

Fotografiert mit 300mm, f4 und 1/100s.

19 Gedanken zu „Winterfrühling

  1. Ein großartiges Bild! Dem man viel Freude und sogar Wärme ansieht, und kaum die Kälte der es abgetrotzt ist.🙂

    LG, Christian.

  2. Wie gewohnt, sehr schön geschrieben, so, dass ich mit dir im Brook war, die Kälte spürte und das Knirschen hörte, das Licht am Horizont erahnte und schließlich den nur halb-zugedeckten kleinen Farn mit dir entdeckte. Ein kleiner Ausflug – sehr schön!

  3. Dankeschön für Deinen Besuch auf meiner Seite….

    sehr schönen Blog geschrieben und wie man sieht, kann man auch im Winter wunderbar fotografieren. Nun – der Frühling ist doch schon halbwegs in Sicht.

    Dir liebe Grüsse Laura

Ich freue mich auf Deine Sicht

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